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Rocco und sein Pornoname

  • Rocco
  • 28. Okt.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Okt.

Rocco und sein Pornoname

 

Manche denken ja, Rocco sei ein Künstlername. So ein ausgedachter Italo-Schwung für jemanden, der zu viel Espresso trinkt und zu wenig schläft.

 

Aber nein.Ich heiße wirklich so.

 

Kein Branding, kein Casting, kein Synonym für Überkompensation. Mein Name ist keine Maske – er ist Berufung und Schicksal.

 

Und jedes Mal, wenn jemand mich fragt, ob das was mit Rocco Siffredi zu tun hat, denke ich:Das wäre das eine ziemliche Last.

 

Denn Rocco Siffredi war – und ist – der Messias des Männlichkeitsmythos:ein Mann wie ein Monument, gebaut aus Schweiß, Lust und 90er-Jahre-Pornostyle.

 

Ein wandelnder Phallus.

 

Wenn du ihm in die Augen schaust, ist es, als würdest du einem mächtigen Penis frontal direkt in die Harnröhre blicken.

Und wenn der Typ niest, denkst du automatisch an Bukkake-Szenen.

 

Der Mann ist quasi der Chuck Norris der Pornowelt.

Er hat nicht einfach nur gevögelt – er hat Missionarsarbeit geleistet. Er hat das stereotype Männerbild einer ganzen Generation definiertund sich als von Gott berufen gesehen, die ganze Welt zu penetrieren.

 

Ich dagegen schreibe Texte über das Scheitern und die Sehnsucht –zwei Dinge, die in der Pornowelt traditionell eher selten vorkommen.

Oder wann habt ihr das letzte mal einen armen, nachdenklichen Teufel mit kleinem Penis und Erektionsstörungen auf PornHub gesehen?

 

Mich mit so einem Namen zu schmücken, wäre fast schon Frevel.

Zumal:

Bei einer Performance wie im Porno würde ich schlichtweg sterben.

 

Ich kenne meinen Orgasmus.

Wenn ich diese tsunamiartigen Ejakulationsfluten der Kollegen sehe und mir vorstelle, ich käme einmal so extrem – es würde mir das Genital zerreißen. Er würde Platzen. Einfach bersten.

 

Und mal abgesehen von den Vorratstanks der Pornobranche, beim Blick auf meine Männlichkeit wäre das auch ein ziemlich trauriger Vergleich.

 

Wenn ich also einen Pornonamen hätte, dann wäre er wahrscheinlich Hairy Fluffy, ShortCut Rock oder FunnyLümmelchen. (Lasst eure eigenen Pornonamen gern in den Kommentaren 😉)

 

Ein bisschen wild, ein bisschen kuschelig, ein bisschen tollpatschig.Nicht The Rock, sondern eher The Fuck-Rug.

 

Einer, der lieber redet und kennenlernt, bevor er’s im Bett tut – und danach beim Frühstück noch über die Bedeutung von Nähe philosophiert. Oder einfach selig einschläft, sobald sich der Herzschlag beruhigt hat.

 

Ich mag das Bild: Hairy Shrek – der erotische Antiheld. Halb Bär, halb Therapiestunde.

 

Während andere Fina Foxy, Lexy Lush, Bodo Banger oder Snake Dave heißen,taucht er auf – verstrubbelt, echt, mit einer kleinen Plautze und einer Körperbehaarung, die einer Rosshaardecke gleicht.

 

 

Ich hatte übrigens mal einen Kampfnamen:

Garfield.

Ich mochte Lasagne, hasste Montage, war langsam und bequem – aber treffsicher.

 

Kein Tiger, kein Crusher, kein Banger. Eher einer, der dich zermürbt, weil er dich einfach nicht ernst nimmt.

 

Pornonamen und Kampfnamen folgen demselben Prinzip:Identität als Inszenierung.Ein Etikett, das dich größer macht, als du bist.

 

Und genau da liegt das Problem.

 

Candy Lush – ich denke der Jugendschutz sollte hier eingreifen.Lola Licks – klingt wie ein Eis, das man nicht schlecken sollte.Kitty Cream – die Creme auf dem Bildschirm ist ihr Revier.Lexi Loove – mit zwei „o“, weil das SEO-technisch besser läuft.Daisy Deep – klingt wie eine Ente mit Tiefgang.Luna Lickalot – vermutlich ein Alias von jemandem, der zu viele Rollenspielnamen gelesen hat.

 

Und die männliche Billo-Fraktion: Tommy Tool – handwerklich solide. Ricky Rough – klingt wie 9 1/2 Wochen nach dem Wrestling, liefert aber kein Schauspiel. Danny Deep – sollte ursprünglich Donald heißen. Aber zu wenig orange Schamhaare. Billy Bangz – möchte aud dem Bälleparadies abgeholt werden.

Jimmy Juice – …möchten Sie den Teppich reinigen lassen?

Diese Namen erzeugen eine Erwartungshaltung, die du nur mit Special Effects erfüllen kannst. Im echten Leben sehen dann viele aus wie Porno-Paul.

Einfach und leicht debil.

 

Wieso nennt man sich so? Wtf? Das ist wie der One-Man-Gangbang, der dann wegen „Mimimi“ eine No-Show hinlegt.

 

Also bitte – so ein heroischer, erwartungserweckender Name wäre für mich purer Performancedruck.

 

Aber wenn du das irgendwann durchschaust, brauchst du’s nicht mehr.Dann reicht dein echter Name.

 

Rocco S. halt.

 

Kein Künstlername. Kein Fetisch. Kein Branding. Ein echter Mensch mit echten Haaren, echten Zweifeln und echtem Humor. (Und natürlich mit einem nie schlaff werdenden Riesendödel.)

 

Aber manchmal, wenn ich die Nachrichten schaue, frage ich mich, warum in Berlin alle so tun, als hätten sie sich ihren Pornonamen selbst ausgesucht.

 

Da sitzt Silent Oilhead Scholz – der Mensch gewordene Vaseline-Fleck: geschmeidig, aber ohne Reibung.

 

Daneben Truck Intruder Andy, ein Mann, der aussieht, als würde er Mautstationen in Minecraft nachbauen.

 

Und natürlich Jens the Spa(h)nked Mask  –der sich auf jedem Maskenball die Hände sauber wäscht und trotzdem erwischt wird.

 

Angeführt wird dieses Team von Slimmy-D March. Der Kollege der aussieht wie ein 70er Jahre Hartplastikvibrator mit Brille.

 

Ich fordere:Gebt allen Politiker*innen endlich ehrliche Pornonamen! Dann wüssten wir wenigstens, womit wir es zu tun haben.

 

  • Chris „The Broker“ Linny – verkauft dir deine eigene Freiheit zum Tagespreis.

  • Rob „The Eco Warrior“ H-back – kämpft mit Worten, und Kinderfahrrad-Windrädern gegen innerer Erschöpfung.

  • Nancy „Safe Word“ Faeser (auf - Betäubung) – klingt nach Kontrolle, endet aber meistens einschläfernd.

  • Flinten on Line Uschi - immer hart drauf gewesen und im Märchenwunderland die sieben Geißlein erschaffen.

  • Sahra „Red Temptation“ CarSub (Car=Auto =Wagen/Sub=Sklave=Knecht) – die einzige, die Matrix zitiert, während la Fontaine zum Sprudeln bringt. Und ständig die roten und blauen Pillen verwechselt.

 

 

Vielleicht wäre Politik erträglicher, wenn sie sich selbst als das sehen würde, was sie längst ist: eine Reality-Show zwischen Reizwäsche und Rhetorik, zwischen Feigenblatt und untreuer Fickkoalition.

Eine Orgie der Fantasten und Fabeln.

 

Es sind nicht die Pornos, die politisch geworden sind. Es ist die Politik, die pornografisch wurde – in ihrer Selbstinszenierung, ihrer Dauererregung, ihrem Mangel an Authentizität und im ständigen Vergleich ihrer mächtigsten Spielzeuge.

 

Und während sie da alle performen –auf der Bühne, im Plenum, in Talkshows –bleibt mir nur, mich an meinen eigenen Namen zu halten.

Rocco.

Ein ehrlicher Vorname in einer Welt voller Bühnenfiguren.

 

Wenn das nicht sexy ist –weiß ich auch nicht.

 
 
 

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