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Rocco und die Cancel Culture

  • Rocco
  • 10. Nov.
  • 4 Min. Lesezeit

Der Mensch per se ist ein Depp.

Aber vielleicht kann er gar nichts dafür.

 

Vielleicht ist es evolutionär bedingt, dass so viele unserer Spezies an Populisten, Fake-News und Telegram-Gurus glauben.

Schließlich folgten wir einst als Primaten auch dem mit den dicksten Eiern.

Eine Verhaltensweise, die sich in manchen Teilen der Welt kaum geändert hat.

Nur heute reicht es, zu behaupten, man habe die fettesten Klöten der Welt – in Orange.

 

Früher glaubte man an Gott. Oder an seine Vertreter.

Das lief bekanntlich nicht sonderlich gut.

Und wenn jemandem was nicht in den Kram passte, zog man die Hexenkarte. Zack – Scheiterhaufen.

 

Ich habe zunehmend den Eindruck: Wir haben uns kaum weiterentwickelt.

 

Neulich erreichte mich eine Schockmeldung:

Eine ehemalige Freundin + – während der Pandemie zu einem sehr wohlhabenden älteren Herrn in die Schweiz emigriert – schrieb mir empört, ein neues Gesetz verbiete es, allein in Wohnungen über 120 Quadratmetern zu leben.

 

„Wir sind lauter gutgläubige Schafe!“, schrieb sie.

Ich musste lachen. Und dann weinen.

 

Die Debatte gab’s tatsächlich mal. Kurz. Irgendwo zwischen Bierdeckel und Stammtisch. Wahrscheinlich bei ein paar Deprimierten weißen Männern in einer Kneipe.

Doch was früher am Tresen verglühte, wird heute digital zur Wahrheit erklärt.

Wann genau haben wir eigentlich verlernt, unseren gesunden Menschenverstand zu benutzen?

 

Klar, Deepfakes, KI-generierte Videos und hübsch gemachte Falschmeldungen machen’s schwer.

Vor allem, wenn die Werbepause im Trash-TV nur Zeit für eine Headline lässt.

Aber warum darf heute jeder Idiot eine eigene „freie Presse“ gründen – ohne Akkreditierung, ohne Presseausweis, ohne Ahnung?

 

„DAS STAND IM INTERNET!“

 

Und alle berichten darüber. Ohne Quelle, ohne Kontext – aber mit viel Konjunktiv.

Könnte, dürfte, Berichten und unbestätigten Quellen zu folge soll...

Das sind keine Nachrichten. Das ist ein Orakel.

 

Wenn Medien nicht mehr unabhängig sind und vom Kapitalismus getrieben werden, verkaufen sie das, was Klicks und Geld bringt. Und das sind nun mal Skandale – ob echt oder erfunden, ist egal. Genau so ob verifiziert oder eben auch nicht.

 

Ich meine „Fake it till you make it“ – früher ein Motivationsspruch für Versicherungspusher, heute die offizielle Doktrin der Selbstdarsteller und Populisten.

Lächeln, behaupten, prahlen, manipulieren – egal, ob es stimmt. Hauptsache, es wirkt, Hauptsache, es verkauft sich.

Wir leben in einer Welt, in der Schein wichtiger ist als Sein, Klicks wichtiger als Kompetenz und Meinung wichtiger als Wahrheit.

 

Langsam vermisse ich die gute alte Bild-Zeitung. Da wusste man wenigstens, dass das meiste bei den Schamhaaren der Redakteure herbeigezogen war– nur beim Sport lag sie erstaunlich oft richtig.

Heute hingegen kann jeder Vollhonk alles behaupten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

 

So kursiert aktuell das Gerücht, ich hätte einen nie schlaffwerdenden Riesendödel. Angaben unabhängiger Quellen zufolge könnte das sogar stimmen – genauere Details lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht messen, da sich bis zu fünf Frauen unterschiedlicher Ethnien noch auf dem Beweisstück befinden sollen.

 

Und wenn wir schon bei grotesken Meldungen sind:Gerüchten zufolge soll das Pferd, das einst von einem mächtigen russischen Mann oben ohne geritten wurde, heute dessen Geliebte sein.

Offenbar verwechselte das Tier den Wunsch nach Oralsex mit der Fütterungszeit.

Daraufhin brach ein Krieg aus, um fehlende Teile des Mächtigen wieder zu annektieren.

 

Die UNO schickte Berater in Highheels mit Eisbeutel, um die Situation zu „stabilisieren“.

Europa diskutierte darüber, ob man das Pferd diplomatisch anerkennen sollte.

 

Ein Influencer startete eine Petition: „#GiveTheHorseARoom“, während gleichzeitig TikTok-Videos viral gingen, die das Pferd bei Yoga zeigten, nachdem es aus einer Traumatherapie Sitzung kam.

 

Die USA drohten mit Sanktionen gegen den Highheel-Hersteller.

Und irgendwo in Deutschland versuchte ein Politiker, Eier auf dem Saunaofen zu braten, um „physikalische Analogien“ zu demonstrieren.

Am Ende saßen alle Parteien im Kreis, tranken grünen Smoothie – und diskutierten, wer eigentlich Schuld hat.

 

Ernsthaft:

Social Media ist cool. Freie Medien sind wichtig.

Aber am wichtigsten bleiben gesunder Menschenverstand – und ein Minimum an Allgemeinbildung.

Vielleicht sollten wir da wieder anfangen zu investieren.

In Hirn statt Hysterie.

Und in Medien, die denken, bevor sie senden.

 

Denn am Ende ist es wie mit dem Mixer:

Wenn du einen Frosch reinwirfst, hast du keinen grünen Powersmoothie. Sondern pürierten Frosch.

Da kann der Hersteller nichts dafür.

Du hast den Frosch gekillt, weil du blöd bist.

 

Und langsam reicht’s, dass das Kollektiv ständig für individuelle Idiotie zahlt.

Hochspannungsleitung = nicht anfassen.

Der letzte Gag:

Öffentliche Sauna - Schutzgitter über dem Ofen. Wieso??? Das wird auch heiß. Das ist Physik. Warum?  irgendwer muss offenbar seine Eier darauf gebraten haben. Geht jetzt auch noch. Sogar mit Muster.

Vielleicht haben wir durch all die Bevormundung verlernt, selbst zu denken.

Diese mangelnde Beanspruchung unseres Hirns führt bei manchen zu fantastischen Wahnvorstellungen à la Kinderblutelexier.

 

Seit über 35 Jahren kursiert der Geist des Bürokratieabbaus – gesehen hat ihn noch niemand.

Schüler lernen in Containern, Leistung zählt nichts mehr, weil man sonst irgendwen „diskriminieren“ könnte.

Und statt Verantwortung zu übernehmen, posaunt man lieber:„Ich kann nichts dafür, die anderen sind schuld! Irgendwer trinkt Kinderblut!“

 

Dann wird wieder in Stammtisch-Manier gegrölt,

eine arme Sau durchs Dorf gejagt

und auf den digitalen Scheiterhaufen geworfen.

Und die, die schreien, sie hätten die dicksten Klöten und die einfachsten Stammtischlösungen, bekommen Recht.

 

Und das, meine Lieben,ist die wahre Cancel Culture.

Wir löschen sukzessive die Basis unseres Fortschritts und Wohlstands:

den gesunden Menschenverstand.

Kein Gottgesandter, kein Selbstdarsteller wird uns unsere Freiheit retten – weder unseren Lebensraum noch unsere individuelle Freiheit, zu sein, zu leben und zu feiern, wie wir es wollen.

Die haben wir bereits. Die muss nicht gerettet werden. Wir können sie nur verteidigen.

Mit Hirn. Mit Mut. Mit Selbstverantwortung.

Mit dem Mut, zu lieben, wen wir lieben.

Mit dem Mut, zu feiern, wie wir feiern.

Mit dem Mut, Räume wie Le Swing zu schaffen und zu erhalten – Orte, an denen Neugier, Lust und Selbstbestimmung regieren.

 

Alles andere ist nur Lärm und primatengleiches Gehabe.

Und wer uns diese Freiheit nehmen will, hat nicht begriffen, dass Lust, Spaß und Selbstbestimmung kein Luxus, sondern Lebensrecht sind.

 

Mit Hirn und Herz

Rocco

 
 
 

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