Rocco und der Spirituelle Rückzugsort
- Rocco
- 2. Nov.
- 4 Min. Lesezeit
Rocco und der Spirituelle Rückzugsort
(Eine Bar-Predigt nach einer langen Nacht)
Achtung.Dieser Text könnte verstörende Inhalte haben.
Der Autor ist nämlich noch leicht derangiert – nach einer Halloween-Party mit @Seiyoku.official und anschließender GB/HÜ – „Gruppenbetreuung mit hedonistischen Übungen“. Ihr versteht.
Hallo.Mein Name ist Rocco. Ich bin Clubbetreiber.
Ich nehme die Welt aus der Sicht eines Rockstars wahr.
Sex. Drugs. Rock’n’Roll. Das ist kein Motto – das ist mein Blutbild.
Und ja, selbstverständlich bin ich im Besitz eines gottgegebenen, nie schlaffwerdenden Riesendödels. (Eine alternative Wahrheit, die nichts zur Sache tut – aber ich wollte sie erwähnt haben.)
Mein Wesen?
Eine Kreuzung aus Pandababy, Godzilla, Pennywise und Randle McMurphy.
Kurz:
Ein emotional instabiles Kuscheltier mit zerstörerischen Allmachtsfantasien.
Neulich ruft mich eine Freundin an.
Seit einigen Jahren auf einer Art esoterischem Selbstfindungstrip.
Ashram, Räucherstäbchen, Selbstheilung, Sonnengrüße.
Sie sagt:„Rocco, dein Lebensstil ist ungesund.“
Sie redet weiter, in diesem Tonfall zwischen Mitleid und Erleuchtung.
„Du musst raus aus diesem Nachtleben. Zu dir finden. Den Körper reinigen. Die Seele befreien.“
Ich sag:
„Aha. Danke für die Info.“
„Weiß ich. Fühl ich. Leb ich trotzdem.“
Aber – mal ehrlich:
Was bitte ist daran ungesünder?
Ob um fünf Uhr morgens Eigenurintherapie bei Sonnenaufgang?
Oder um fünf Uhr morgens Espresso-Martini-Absacker
mit guten Freund*innen und noch besseren Gästen nach einer erfüllenden Nacht?
Was ist der Unterschied?
Ob zwischen, in Tücher gewickelt da sitzen warme Salzlauge trinken und überlegen, wie man wieder ins Leben findet – und einem Sonntag voller Einatmen, Ausatmen, Herzschlag, Elektrolyte, Aspirin und ehrlicher Katertherapie, um wieder ins Leben zurückzufinden?
Unterschiedliche Herangehensweise, selbes Ziel. Sag ich
So groß ist doch der Unterschied gar nicht.
Bei ihr grinsen alle, weil sie high sind vom Tee der Askese.
Bei mir grinsen alle, weil sie gelebt haben. Und manchmal auch gekommen sind.Mehrfach. Mit allem. Dem Sound nach zu urteilen sogar ziemlich häufig.
Klar, im Ashram läuft der Orgasmus innerlich ab. Leise. Meditativ. Trocken wie ne Nonne.
Manchmal wäre mir das beim Saubermachen und Aufräumen auch lieber. Aber ganz ehrlich?
Unsere Nonnen finde ich viel geiler und die sind gewiss nicht trocken. Die Orgasmen hier sind. Echter. Lauter. Lebendiger.
„Du trinkst zu viel“ fährt sie mich weiter sorgenvoll an.
Naja sag ich: „Viel trinken war vor ein paar Jahren auch für dich noch wichtig“ frotzelte ich. „Und deine Ernährung hat mit Foodporn auch nichts mehr zu tun“ ging es weiter.
„Du bist ein Ignorant“, sagt sie. „Es geht darum, dem Alltag zu entfliehen. Zu sich zu finden. Den Körper und die Seele zu reinigen. Das ist ein spiritueller Rückzugsort.“
Ich sag:„Das ist mein Club auch.“
Sie: „Du bist ein Idiot.“Ich: „Weiß ich.Sonst hätte ich keinen Clubund würde jetzt nicht mit dir telefonieren.“Sie: „Arsch.“Ich: „Jep. Finde ich auch gut – nur in anderen Momenten.“
Ich hab keine Ahnung von innerer Ausgeglichenheit.
Und ehrlich gesagt:
Ich will auch keine.
Aber erklär mir mal, was daran gesund sein soll,
tausende Euro zu zahlen,
um sich morgens um halb fünf wecken zu lassen,
keinen Kaffee zu bekommen,
dafür Morgenurin, Stuhlkontrolle, spirituelle Nervennahrung,
Räucherstäbchen, Schlammtinkturen
und am Ende nennt man das Reinigung?
Klingt für mich nach Full Metal Jacket Camp auf LSD für Alternativ-Traumtänzer.
Und mein Leben ist ungesund?
Ganz ehrlich:
Dann sterb ich lieber drei Jahre früher und komm danach erst in die Hölle der Askese.
Aber lachen dürft ihr da oben schon, oder?
Nicht so debil-Hare-Krishna-mäßig auf Räucherstäbchen, sondern richtig.Dreckig. Fies. Haltlos.
Ich liebe mein Leben.
Ich liebe meinen Job.
Ich liebe meine Gäste, die Partys, die Outfits, die Nächte zwischen geil und glücklich.
Natürlich gibt’s Probleme – wo nicht?
Aber wenn 170 Zombies, Krankenschwestern, Teufel und Clowns
halb nackt, halb high berauscht und euphorisiert
durch die Nacht tanzen,
dann hab ich keine Probleme. Nur Leben.
Nicht mal mit Wolverine der mir nach zig VodkaBull von oben auf den Kopf schaut und sagt:
„du bist Rocco? Cool. Du schreibst die Newsletter? Cool, sieht man dir gar nicht an.“
Ich hatte Jokers Penis im Gesicht. Gott sei dank hatte er noch ne Hose an. (Bitte fragt nicht weiter.)
In solchen Situationen sind Probleme relativ.
Und das Ergebnis ist – in verstörender Weise – dasselbe wie im Ashram.
Sonnenaufgang: Eigen Urin Kontrolle – Farbe normal heißt, ich lebe weiter.Körperreinigung: ja, aber halt mit Vodka desinfiziert und Elektrolyten stabilisiert statt Kräuterheiltee dein Innerstes auswirft.
Wenn im LeSwing jemand Kotzen muss, dann Ehrlich!
Und das ist viel ökonomischer sag ich.
Dauert nur ein Wochenende,
kostet keine 6.736.- Euro pro Nase,
und neben der geistigen Penetration sind die meisten auch körperlich befriedigt,
denn sie haben gevögelt.
Was bitte ist daran ungesünder als ein ayurvedischer Gemüseeinlauf?
Und wer sagt, dass mein Club kein spiritueller Rückzugsort ist?
Ich seh’s doch.
Menschen in orgasmischer Trance,
schwebend, losgelöst,
eins mit sich,
mit ihrem Körper,
mit ihrem Geist,
verbunden mit anderen.
Körper und Geist gehen bei uns eine koitale Verbindung ein.
Das ist die Champions League des Ashram.
Vielleicht sollte ich das vermarkten:
„Tantrisches Ashram Bootcamp by Rocco“
– 1.000 Euro am Tag, inklusive Verpflegung und Vögeln.
Das Absurde ist:
Wenn sie bei uns halb nackt tanzen, ist es anrüchig.
Wenn sie ihre Chakren streicheln, ist es spirituell.
Bei uns gibt’s Drinks, Lachen, Flirten, Nähe, Haut.
Bei ihnen gibt’s Fasten, Entzug, Räuchern, Selbstkasteiung.
Wir stecken uns zusammen, weil wir Lust haben.
Sie stecken sich Räucherstäbchen in den Sand und nennen es Heilung.
Vielleicht nervt mich an der ganzen Erleuchtungskultur nur eins:
diese feige Scheinheiligkeit.
Die eigene Unzufriedenheit in Weihrauch tauchen und dann andere verurteilen,
weil sie leben,
weil sie genießen,
weil sie fühlen.
Ich geb ja selten gute Ratschläge. (Und wenn, erschreckt mich das selbst.)
Aber manchen würd ich wünschen, eine Woche meinen Lebensstil zu leben.
Dann wüssten sie, dass nicht ich derjenige bin, der Befreiung braucht.
Ich bin längst frei.
Nur halt mit Kater.
In diesem Sinne
Namaste Bitches, bleibt auf eurem Weg der genitalen Vereinigung von Körper & Geist und besucht uns bei unseren nächsten Events 😉
Erholsame Herbstferien
Rocco



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